Gastbeitrag: Wie entsorge ich meinen alten Computer richtig?

Gastbeitrag: Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz

07.11.2015

Gastbeitrag von Alexander Tobias

Beim Überdenken von herkömmlichen Produktionsmethoden geraten Hersteller oft an die Grenzen ihrer Änderungsmöglichkeiten und nehmen bei fraglichen Komponenten Kontakt zu ihren Lieferanten auf. Gesunde Inhaltsstoffe und Produktionsweisen werden zunehmend wichtiger für Konsumenten, aber auch die Produkteigenschaften nach der Benutzung spielen eine entscheidende Rolle bei der Artikelauswahl. Cradle to Cradle ist eine der Methoden, die gebrauchte Stoffe wiederverwendbar macht - entweder technisch oder biologisch. Über die fachgerechte Entsorgung von gebrauchten Computern, schreibt Alexander Tobias in unserem Gastbeitrag -Blog.

Wie entsorge ich meinen alten Computer richtig?

Mit der extrem schnellen Verbreitung des PC ab Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts tauchte neben dem Nutzen des Rechners, in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen, auch die Problematik der Entsorgung auf. Dabei sind die Zahlen in Bezug auf die Nutzung des Personal Computers schon beeindruckend und zeigen auf, um welche Mengen es hierbei geht. Mehr als 83 % aller Haushalte in Deutschland verfügen über einen bzw. mehrere Rechner. Über 91 % aller Unternehmen nutzen PCs. In ungefähren Zahlen ausgedrückt bedeutet dies rund 34 Millionen Computer in privater Hand und etwa 3,3 Millionen Rechner in Firmen und Betrieben, wobei diese Zahlen stark nach unten abgerundet sind. Wenn von gesamt 40 Millionen PCs ausgegangen wird, ist dies sicherlich keine Übertreibung. Dazu kommen noch unzählige kleinere Computer wie Smartphones und Tablets.

 

Etwa 17 Millionen dieser 40 Millionen PCs werden pro Jahr durch ein neueres Modell ersetzt. Wie viele der ausgedienten Modelle letztlich als Gebrauchtgeräte weiter verkauft und wie viele verschrottet werden, liegt im Dunkeln, da hierzu nur schwer verlässliche Statistiken zu erheben sind. Da aber auch die gebraucht weiter verkauften Geräte einmal ausgemustert werden und dies ebenso in die jährliche Verbrauchsstatistik einfließt, stellt die Anzahl von jährlich 17 Millionen PCs, die der Abfallverwertung zugeführt werden, einen durchaus annehmbaren Wert dar. Das sind rund 34.000 Tonnen Elektronikschrott nur aus Computern und nur in Deutschland, Jahr für Jahr. Weltweit sind es laut einer Studie der UNO etwa 40 Millionen Tonnen.

 

Unnatürliche Ressource

Doch ein PC ist nach einigen Jahren nicht einfach nur ein nutzlos gewordenes Altgerät. Er ist vielmehr eine Ressource, die verschiedene Materialien enthält, deren Verwertung die Umwelt entlastet, weil so die natürlichen Ressourcen geschont werden. Zudem besitzen die in Computern verwendeten Stoffe den Vorteil, dass sie bereits verschiedene Veredelungsprozesse absolviert haben und damit in der Wiederverwertung besser geeignet sind als Rohstoffe, die erst aufwendig aufbereitet werden müssen.

 

Wer seinen PC jedoch wirklich sinnvoll entsorgen möchte, sollte zuerst einmal bedenken, ob das Gerät nicht noch anderweitig genutzt werden kann oder sich eine Aufrüstung lohnt, denn das ist die mit Abstand beste Art der Entsorgung. Wenn dem nicht so ist und das Gerät nicht mehr funktionsfähig scheint, sollte es auf jeden Fall einer fachgerechten Entsorgung zugeführt werden. Die darauf spezialisierten Unternehmen trennen PC oder auch Großrechenanlagen in ihre verschiedenen Bestandteile auf und separieren hierbei die unterschiedlichen Kunststoffe von den Metallen. Dabei hat sich das Recycling gerade von Rechnern inzwischen zum sogenannten urbanen Bergbau entwickelt, wobei etwa die Fördermenge an Gold aus einer Tonne Computerschrott wesentlich höher ist als aus einer Tonne Gold-Erz, das irgendwo aus der Erde gebuddelt wird und nebenbei die Landschaft verwüstet.

 

Tatsächlich Gold, was hier glänzt

Umweltgerechter als durch ein entsprechendes Recyclingunternehmen kann die Entsorgung des PC nicht erfolgen und dies zahlt sich sogar in barer Münze aus. Natürlich schwanken die Preise je nach Art und Durchmischung des Elektronikschrotts, wobei etwa Scheideanstalten für hochreine Schrottmaterialien wie CPU Goldcap Prozessoren aus Rechnern bis zu 105 Euro pro Kilo bezahlen. Der Schrotthändler vor Ort gibt für den gesamten Rechner natürlich nicht soviel, aber es ist in jeder Hinsicht die vernünftigere Alternative zur Entsorgung im Hausmüll, die im Übrigen mittlerweile verboten ist.

 

Wie wird richtig „entsorgt“?

Um alte Elektrogeräte wie einen PC fachgerecht zu entsorgen, bestehen im Prinzip zwei Möglichkeiten, deren rechtliche Verbindlichkeit zum 24. Oktober 2015 in Kraft trat. Diese im März 2015 verabschiedete und nun umgesetzte Reform des Elektrogesetzes beendet die bisher auf freiwilliger Basis durchgeführte Rücknahme von Altgeräten durch Elektrohändler und macht es zur gesetzlichen Pflicht. Allerdings bestehen Ausnahmen. Ausschließlich Händler mit einer Verkaufsfläche von über 400 qm sind zur Rücknahme von Altgeräten verpflichtet und die Rücknahme erfolgt nur beim Kauf eines Neugerätes. Lediglich Elektrogeräte mit einer geringeren Kantenlänge als 25 cm können ohne Neukauf an die sogenannten großen Händler (über 400 qm Verkaufsfläche) abgegeben werden.

Mit dem überarbeiteten Elektrogesetz tritt gleichermaßen zum 24. Oktober 2015 eine neue Gebührenverordnung in Kraft, die den jeweiligen Hersteller der Geräte in die Pflicht bezüglich der Entsorgungskosten nimmt.

 

Dieses Gesetz gilt ebenso für den Online-Handel. Die Regelung sieht hierbei vor, dass der Post-Dienstleister die Altgeräte bei Anlieferung des neuen Gerätes entgegen nimmt. Ob diese Praxis beim boomenden Online-Handel jedoch in der Realität wirklich umgesetzt wird, ist eher fraglich, womit der zweite Weg ins Spiel kommt.

 

Die Entsorgung über den Wertstoffhof?

Schon seit dem 16. März 2005 ist die Entsorgung von Elektronik- und Elektrogeräten über den Hausmüll gesetzlich untersagt und kommunale Sammelstellen eingerichtet. In diesen Wertstoffhöfen werden Altgeräte kostenfrei entgegengenommen.

Mit dem Inkrafttreten des reformierten Elektro- und Elektronikgesetzes zum Jahr 2015 richteten bereits im Vorfeld die Hersteller von Elektrogeräten in Deutschland eine Stiftung ein, deren Aufgabe die Registrierung von Herstellern auf dem deutschen Markt und die Koordination der Bereitstellung und Abholung von Sammelbehältern bei öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern ist.

Die Stiftung ear (elektro-altgeräte register) richtete gleichzeitig ein Verzeichnis der Sammel- und Rücknahmestellen ein, das unter dem Link: https://www.ear-system.de/ear-verzeichnis/sammel-und-ruecknahmestellen.jsf zu finden ist. Allerdings befindet sich das Register noch im Aufbau und enthält aktuell nur relativ wenige Einträge.

Die in den jeweiligen Sammelstellen der Kommunen abgegebenen Elektrogeräte werden zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben (efb) zugeführt, die diese Fach- und Sachgerecht verwerten.

 

Über den Autor: Herr Tobias ist gelernter Elektrotechniker und Programmierer. Als Fachmann für Computertechnik ist er für aletoware.de speziell im Bereich Gaming-PC tätig.

 

Quellenangaben:

Computernutzung in Haushalten und Unternehmen 2014

http://www.borderstep.de/wp-content/uploads/2014/12/Borderstep_Kurzstudie_Computernutzung_2014.pdf

 

Computernutzung und –Absatz

http://de.statista.com/themen/159/computer/

 

Ankaufpreise Elektroschrott

http://www.scheideanstalt.de/elektroschrott-preise-und-sortierkriterien/